Historisches

Historisches zum QTH Horschlitt

Die Anfänge
Der Ursprung unserer Contestgruppe reicht weit zurück bis in die Mitte der 70‘er Jahre. Von verschiedenen Portable-QTH‘s wurde unter dem Call DM7CI in den nationalen Contesten gefunkt. Hauptakteur waren damals Gerhard (DM2CUI)† und Wolfgang (DM2CWI). Internationale Conteste wurden wegen mangelnder Antennenanlagen und Leistung damals in der Mehrmann-Wertung gemieden. 1979 im Herbst fuhren wir den ersten Contest von unserem derzeitigen Domizil. Es wurde mit Dipol auf 80/40 gearbeitet und für 20/15/10 kam eine Portabel-Quad auf einem 10m Kurbelmast zum Einsatz. Nach Ende des Contest trafen sich die OMs zur vorläufigen Bekanntgabe ihrer Ergebnisse. Ich habe noch gut in Erinnerung als DM2DUK zu mir sagte, sie hätten 1832 QSO. Wir hatten fast 500 weniger. Im ersten Moment setzte etwas Depression ein, aber dann war schon wenige Tage nach dem Contest der Entschluss gereift, dass wir nun auch mal etwas mehr Power machen wollen. Die alte PA mit 4 Stück GU50 erwies sich logischerweise als nicht contesttauglich und somit wurde eine „echte PA“ in Angriff genommen. Das „organisieren“ der entsprechenden Einzelteile nahm etwas Zeit in Anspruch, dafür ging aber der Aufbau der PA recht flott voran. Als Dauer Contest-QTH hatten wir uns nun in den Kopf gesetzt, das im Herbst 1979 benutzte QTH dauerhaft nutzen zu können. Nahezu ideal für Amateurfunk: Stromanschluß mit 230 u. 400V, eigene Wasserversorgung und wenn auch schlicht und einfach gehalten, Sanitäranlage und Ruheräume. Das Ganze zudem noch ca. 1,5 km vom nächsten Dorf entfernt, wo uns keiner störte und wir kein TVI verursachten. Gerhard (DM2CUI) der uns Zugang zu dem Gebäude erschaffte, erklärte uns, es könnte eventuell Probleme mit der Zufahrt geben, denn das Objekt lag direkt neben dem damaligen 5km-Sperrgebiet zur Grenze nach West-DL.

Das neue QTH
Das Gebäude selbst gehörte früher der Ziegelei, war aber an die Gemeindeverwaltung zur weiteren Nutzung übergeben worden. Der Nachnutzer war keine kleinere Behörde als die damalige Volkspolizei. Sie hatte dort für das Training mit den Diensthunden eine Hindernisbahn mit entsprechenden Hindernissen aufgebaut. Das wurde dann auch für uns ein scheinbares Hindernis. „Ihr wollt Euch in die Höhle des Löwen verkriechen, um ungestört mit dem Westen funken zu können“ waren die Argumente, um uns erst einmal abzuwimmeln. Was wir uns in den Kopf gesetzt hatten, beliebten wir damals aber auch durchzusetzen.

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QTH Horschlitt von oben  Gut zu sehen: das Gebäude rechts, 4ele KLM für 40m rechts, 6ele KT36XA links, 30m Sendemast für 80/160, vorn Neubau von Mast und Antennen

Nach vielen Redereien und Beschwichtigungen genehmigte man uns damals das gelegentliche Benutzen des Gebäudes mit Voranmeldung. Nun ging es an die Planung der Antenne. Eine 2 El. Quad sollte es werden auf einem 27m Stahlrohrmast, der zudem noch gekippt werden konnte. Die Rohre bekamen wir von einem Betrieb, der gerade in der Nachbarflur Unterflurspeicher baute. Es waren Rohre von Bohrgestängen mit 9m Länge, die eine Röntgenprüfung nicht bestanden. Ein Statiker berechnete für uns (unter der Hand) die Statik und schon sammelten wir in unserer kleinen Gemeinde das Geld für U-Träger, Winkelstahl und Fertigbeton. Für rund 1000 DDR-Mark hatten wir dann nach unendlich langen Organisationstouren alles soweit zusammen und somit konnten wir den ersten Spatenstich am 08. Mai 1980 durchführen. Dabei waren: Gerhard Y23UI†, Wolfgang Y23WI, Rainer Y24RK†, Bernd Y26DI und Hubertus Y44TI†. Die Löcher waren alle ausgehoben und die Stahlkonstruktion für den Antennenfuß war geschweißt, als plötzlich Baustopp durch die Polizei ausgesprochen wurde. Wie weiter ? Da lag unser privates Geld in Form von Rohr und Stahl und schon einiges an Arbeit. Die Ursache für den Baustopp bekamen wir auf Umwegen mitgeteilt. „Zu viel Lärm im Revier des Amtsleiters der Volkspolizei während seiner Jagdzeiten“. Also wieder über Umwege Beschwichtigungen, dass ja nun kein Lärm mehr Auftritt, da alles soweit fertig ist. Dann wieder die besonderen Auflagen….. „Es war alles sehr aufregend und belastend, was man da so erleben musste um sein Vaterland mit gutem Signal in den Äther bringen zu können“, kann man heute zu Recht sagen. Letztendlich hat uns der Wille der kleinen Gruppe zusammengehalten und alle Widrigkeiten festigten uns noch mehr im Zusammenhalt.

Im September 1980 war es dann soweit. Der Mast konnte mit einem Autodrehkran aufgerichtet werden. Hierfür mussten wir 40 Liter Diesel organisieren, denn der war zu der Zeit „Mangelware“. Alles klappte wie am Schnürchen. Die Antenne war noch nicht vorhanden, aber als Gewichtsausgleich haben wir dann erst einmal 3 große Holzstücke an die Mastspitze gebunden, um den „Ziehbrunnen“ in Balance zu halten. Von nun an ging auch alles dann Schlag auf Schlag. Die Quad wurde montiert und in Betrieb genommen. Der erste Contest war der WA-Y2 Contest im Oktober 1980. Es wurde schon deutlich, dass die Distanz zur Konkurrenz merklich kleiner wurde. Zwischenzeitlich bekamen wir noch Zulauf von anderen OMs. Das waren Gerhard Y31WI und Peter Y54UI aus Apolda. Von nun an begann eine Zeit intensiver Contesttätigkeit in Mehrmann-Wertung mit dem Call Y44ZI.

Erste Erfolge und digitale Aussendungen
An unserem Stamm – QTH in Eisenach ging die rege DX-Tätigkeit trotzdem nicht zurück. Auch hier hatten wir seit 1978 eine 2 El. Quad. Das Portabel – QTH wurde vorläufig erst einmal nur für große Conteste genutzt, um im „Jagdrevier“ nicht allzu oft aufzufallen. Auch die PA konnten wir nur dort wegen TVI/BCI zum Einsatz bringen. Die Konkurrenz schlief nicht und wartete mit dem neuen Contest – Call Y34K auf. Das ermunterte uns, ein Rufzeichen ähnlicher Struktur zu beantragen. Wir erhielten für die Conteste das Call Y38I und noch eine Sondergenehmigung für 1,5 kW Input von 80 – 10m. Im Jagdrevier beruhigte sich alles von Jahr zu Jahr immer mehr, denn der Oberjäger hatte wohl seine Dienstjahre bei der Volkspolizei abgeleistet und nun wurde es für uns erträglicher. Das nutzten wir natürlich intensiv aus und bauten dann auch gleich noch einen leichten transportablen Antennenmast mit 21m Höhe für zusätzliche Drahtantennen auf. Als Transceiver in den Contesten diente der Eigenbau – Tcvr von Y23WI. Durch gute Kontakte zur Klubstation des Erfurter Büromaschinenwerkes, bekamen wir im Tausch zu einer Antennendrehvorrichtung ein ausgesondertes und bedingt funktionsfähiges Mainboard einer vollelektronischen Schreibmaschine. Micha Y21JI der Hauptakteur für futuristische Antennengebilde und genauer Kenner dieser Recheneinheit verwandelte das gute Stück in eine RTTY und CW Maschine für Sende u. Empfangsbetrieb im Tempo 30 – 360 und RTTY von 45 bis 100 Baud. Vorführungen zu Fachvorträgen mit CW – Tempo 250 machten den Zuschauern viel Freude (hi). Das war 1983/84 und somit der erste von Funkamateuren in der damaligen DDR zum Einsatz gebrachte Computer. Der Rechner war relativ klein. Der Monitor allerdings ein TV Gerät „Donja“, da dies erst einmal die billigere Variante war.

Grenzöffnung und neue Kontakte
Mit den Reparaturen und Umbauten im Contest- QTH hatten wir immer viel zu tun. Eines Tages, es war Ende Oktober 1989, wurden alle OMs unseres Kreises Eisenach zur Weiterbildung in unser QTH für den 11.11.89 eingeladen. Am 09.11.89 gingen alle Schlagbäume auf und leiteten einen neuen Abschnitt in der deutschen Geschichte ein. Es war wohl Freitag der 10.11.89 als ich auf 20m nach einem CQ DX Ruf ein richtiges Pile Up erlebte. Ein Funkamateur aus Argentinien fragte mich, warum ich jetzt funke und nicht in Herleshausen bin.

Diese Orte kannten wir bisher nur von Erzählungen und der Karte. Unweit von uns lagen ja die Ortschaften in relativ kurzer Entfernung in denen Funkamateure waren, mit denen man schon Kontakt vorher hatte. Also beim nächstbesten Besuch in Hessen mal Ausschau nach einem Funkamateur halten. Der Zufall wollte es und ich bekam auch gleich Kontakt zu einem OM, der mich zu dem nächsten OV-Abend des OV Hersfeld-Rothenburg F32 einlud. Der Termin wurde wahrgenommen und ein Treffen mit den Contest-Interresierten des OV F32 in unser Contest-QTH in Horschlitt vereinbart. Es war Januar 1990 als uns Claus DK9FE, Helmut DL8FBZ, seine XYL Rosel DL2FCA und Wolfgang DK2DO in unserem Domizil in Horschlitt besuchten. Es entstanden ein reger Meinungsaustausch und die Vorstellung unserer Contesttechnik. Die 2 el. Quad für 20,15 und 10m in 27m Höhe, die selbstgebaute PA und der Transceiver mit Eigenbau-Quarzfilter aus Einzelquarzen der Wetterballons, die bei uns herunterkamen, brachten uns einige Bewunderung ein. Bei Thüringer Rostbratwürsten und Bier wurden erste gemeinsame deutsch-deutsche Aktivitäten geplant. Unsere Gastfreundschaft und Offenheit zu künftigen gemeinsamen Unternehmungen wurden freundlich mit einer Einladung zu einem Gegenbesuch nach Rothenburg/Fulda beantwortet.

Im Februar erfolgte dann unser Gegenbesuch und man zeigte uns die Clubstation DK0HR. Nahezu der gesamte OV war erschienen und unsere Delegation war sehr angetan, von dem freundlichen Empfang. Es folgten einige Jahre interessanter Begegnungen und des gegenseitigen Kennenlernens. Zwischenzeitlich wurde der Mietvertrag für das Gebäude von der Polizei gekündigt und die damalige Bürgermeisterin bot uns an, nun auch das ganze Anwesen mit dem Gebäude an uns alleine zu vermieten. Das wurde von uns sofort angenommen und ein Mietvertrag für die nächsten 15 Jahre abgeschlossen. Das brachte uns Sicherheit für langfristige Antennenplanungen. 1993 kauften wir uns eine KT34XA von KLM und ein Jahr später den 4. El. Beam „Big Sticker“ für 40m von KLM. Das waren Anschaffungen, die von jedem einige finanzielle Spenden abverlangten. Dennoch, wir bauten für künftige gemeinsame Erfolgserlebnisse!

Verlagerung der Aktivität auf DX-Jagd
Wir gründeten einen Contestclub und Claus, DK9FE war mit viel Eifer bei allen großen Contesten dabei. Leider verließen uns für immer, unser OM Rainer Y24RK und Claus DK9FE viel zu früh wegen plötzlichen Tods. Beide OMs haben wir stets in guter Erinnerung. Es schien, als wäre der Dampf aus unserem Grüppchen entwichen. Nach kurzer Zeit der Besinnung legten wir unsere Schwerpunkte mehr auf die DX-Arbeit und die Teilnahme an Contesten in der Wertung „Einmann“. Nur unsere 1994 aufgenommene Aktivität im DA0HQ-Team führten wir noch in der Mehrmann-Teilnahme durch. Die weniger gewordene Freizeit wegen Familie und QRL machte sich dann auch bei uns bemerkbar. Einige Vorhaben wurden verschoben und andere dafür vorgezogen. 1997 bauten wir dann unsere 32m hohe Vertikal für 160m auf und nun hatten wir nahezu alles, was man für eine erfolgreiche DX-Jagd braucht.

Die Horschlitter OMs fahren in die Welt
Auch unsere OMs trieb es zum DX’en in die weite Welt. Den Anfang machte DL5XU und DL9AWI 1993 nach Mayotte (FH), 1996 gingen DL1AWI und DL5AWI auf Reise und funkten aus Namibia (V5) und Zimbabwe (Z2). 1999 gingen Mathias DL5XU und Wolfgang DL1AWI nach FO und aktivierten dort die Marquesas und Australs. Beiden gefiel es dort so gut, dass sie es gleich zwei Jahre später wiederholten. Diesmal war auch DL3APO mit seiner XYL dabei. Nach fünf Jahren ohne Funkurlaub machten sich DL1AWI, DL9AWI (Erik) und DL5XU erneut in die Südsee. Nach gut 8 Wochen kehrten sie mit einigen erlebten Abenteuern zurück. Die auf Raivavae gesammelten Erfahrungen im Low-Band Betrieb, trieben beide OM’s vier Jahre später wieder nach Raivavae. Nur als reine Low-Band Aktivität geplant, wurden durch DL1AWI vom August bis Dezember 2009 die notwendigen technischen Vorbereitungen realisiert. Antennen wurden getestet, die Montagemöglichkeiten optimiert und das notwendige Zubehör gebaut.

Im Januar starteten wir unsere Aktivität unter dem Call TX3D. Das Sonderrufzeichen erhielten wir durch die freundliche Hilfe von Phil FO8RZ. Diesmal war DL3APO mit in unserem Team. Der Erfolg blieb nicht aus. Mit unserem bescheidenen Aufwand arbeiteten wir aber 18 DL-Stationen auf 160m. Das erreichte vorher keine Station von den Australs! Dort erlebten wir auch die Gewalt des tropischen Wirbelsturms „Oli“, der uns völlig überrascht heimsuchte. Durch die freundliche Unterstützung der französischen Armee wurden wir noch vor der offiziellen Wiederaufnahme des Flugbetriebes nach Papeete zurückgeflogen und konnten unsere Heimreise mit wenig Verspätung antreten.

Überführung in den CGDXC e.V.
Nach unserer Rückkehr erfuhr man zufällig, dass unser gemietetes Grundstück den Besitzer gewechselt hat. Mit dem neuen Eigentümer nahm ich daher sofort Verbindung auf, um die weitere langfristige Nutzung zu klären. Es stellte sich dann sehr schnell heraus, daß dort mehr Interesse an einem Verkauf als an der Vermietung bestand. In einem Vor-Ort-Gespräch wurden die ersten Optionen zum Kauf besprochen. Nach langem Hin und Her, lag die Bereitschaft zum Kauf von uns vor. Hierzu musste aber wegen der Rechtsfähigkeit ein Verein gegründet werden. Am 28.08.2010 fanden sich 8 Gründungsmitglieder in Horschlitt ein und der „Central-German DX Club“ wurde gegründet. Gegenwärtig durchläuft unsere beantragte Eintragung in das Vereinsregister die amtlichen Hürden.

Wer sich für die neuere Geschichte interessiert findet diese ab dem Zeitpunkt der Vereinsgründung hier.

Panoramaansicht des QTHs, im Hintergrund der "Silbersee", ringsum Wiesen für allerhand Beverage EmpfangsantennenKomplettansicht QTH Horschlitt  Panoramaansicht des QTHs, im Hintergrund der „Silbersee“, ringsum Wiesen für allerhand Beverage Empfangsantennen

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